Kirchenkreissynodendiskussion am 07.11.2015

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Kirchenkreissynodendiskussion am 07.11.2015

Ungelesener Beitragvon Admin2025 » Sa 21. Nov 2015, 12:41

Kirchenkreissynode: Gemeindliche Handlungsräume - wohin geht`s?

Wie geht es weiter bei der Bildung so genannter "kirchlicher Handlungsräume" im Kirchenkreis Schleswig-Flensburg? Gibt es alternative Modelle und was ist bei Zukunftsplanung zu beachten? Um diese und weitere Fragen drehte sich der Haupttagesordnungspunkt auf der Synodentagung des Ev.-Luth. Kirchenkreises Schleswig-Flensburg am 7.11.2015 in Havetoft.

Dabei haben die knapp 90 anwesenden Synodalen ihre unterschiedlichen Standpunkte ausgetauscht, das Thema facettenreich beleuchtet, noch einmal ein Stimmungsbild vermittelt und aufgezeigt, welche Aspekte im weiteren Prozess aus ihrer Sicht von besonderer Bedeutung sind. Diese wird der Kirchenkreisrat nun aufgreifen, um den Kirchenparlamentariern auf der nächsten Synodentagung im Februar 2016 einen beschlussfähigen Vorschlag vorzulegen.

Bereits seit gut einem Jahr beschäftigen sich die unterschiedlichen Gremien im Ev.-Luth. Kirchenkreis Schleswig-Flensburg mit der Frage, wie das kirchliche Leben in der Stadt und auf dem Land künftig strukturiert und organisiert sein kann vor dem Hintergrund, dass die Bevölkerungen auf dem Land abnehmen und gleichzeitig immer älter wird. Auch werden geringere Kirchensteuereinnahmen eine Rolle spielen bei der Überlegung, wie das kirchliche Leben künftig gestaltet werden soll. Ein weiterer Faktor ist, dass Mitte der 2020er Jahre fast die Hälfte der jetzt aktiven Pastorinnen und Pastoren in den Ruhestand verabschiedet werden und es fraglich ist, ob genügend Nachwuchs bereit steht. Die Schlussfolgerung von Pröpstin Carmen Rahlf: "Wir dürfen die Pfarrstellenplanung nicht dem Zufall überlassen, sondern müssen diese strategisch planen, damit die pastorale Präsenz in Städten und ländlichen Räumen sicher gestellt wird."

In Vorbereitung auf die Synodentagung waren die Kirchengemeinden um ihre Stellungnahmen zum Modell der gemeindlichen Handlungsräume gebeten worden. Dieses sieht vor, dass die Kirchengemeinden künftig enger zusammen arbeiten, wobei verschiedene Organisationsform denkbar sind - von Kooperationen über Fusionen bis hin zur Gründung von Gemeindeverbänden. Mindestens 5.000 Gemeindemitglieder soll jeder Handlungsraum zählen, wobei auch größere Einheiten denkbar und möglich sind. Pro 2.300 bis ca. 3.000 Gemeindegliedern soll es eine Pfarrstelle geben und darüber hinaus je nach Angebotsschwerpunkten in den Gemeinden hauptamtliche Kirchenmusik und Gemeindepädagogik.
Das Ergebnis der Gemeindebefragung: Grundsätzlich haben alle Kirchengemeinden Verständnis gezeigt oder stimmen zu, künftig die Strukturen neu zu regeln und verstärkt zu kooperieren bzw. in größeren Einheiten zusammenzuarbeiten. Einige Kirchengemeinden baten darum, Zwangsfusionen auszuschließen, für gute Vertretungsregelungen zu sorgen und begleitete Übergangsmodelle zu ermöglichen. Und auch die Forderung, auch auf Kirchenkreis- und landeskirchlicher Ebene zu sparen, war häufig formuliert genauso wie der Wunsch, die Pfarrstellenplanung nicht nur an der Gemeindegliederzahl auszurichten, sondern die Größe der Fläche zu berücksichtigen.

In der Diskussion auf der Synodentagung am Sonnabend, 7. November wurde deutlich, dass eine Reihe von rechtlichen Rahmenbedingungen zu klären und genau auszuarbeiten ist, wie die Zusammenarbeit im Detail gestaltet werden kann - und dies individuell bezogen auf jeden Handlungsraum, den es kreativ auszugestalten gelte, wie Propst Jacobs erklärte.
So war beispielsweise Jürgen Klinzing aus Gundelsby-Maasholm besorgt, dass man zwangsläufig fusionieren müsse, wenn der Pastor die Gemeinde verlässt und Pastorin Bettina Sender wies noch einmal darauf hin, dass der Begriff "kirchliche Handlungsräume" unglücklich sei. "Man denkt, Kirche handele in Räumen" sagt sie, aber in Wahrheit leben Menschen als Glaubensgemeinschaft zusammen, sammeln sich um Wort und Sakrament und gestalten gerade in den kleinen Orten das Leben miteinander." Dabei sei die pastorale Präsenz ein entscheidender Faktor, um Beziehungspflege zu gestalten. Ihre Sorge: Die Entwicklungen verstärken die Tendenz, Kirchenmitglieder zu verlieren. Deshalb sprach sie sich dafür aus, besser in Pastorenstellen vor Ort zu investieren als sie zu kürzen und gleichzeitig konzeptionell den Grund der Kirche zu beleuchten. "Wir brauchen einen missionarischen Impuls, der Menschen begeistert - als Mitglieder und für das Pastorenamt", forderte sie in ihrem Redebeitrag.

Als Gegenposition dazu formulierte Pastor Norbert Wilckens aus der Kirchengemeinde Schleswig, dass diese Beziehungsarbeit auch in größeren Einheiten, wie sie in den Propsteien Schleswig und Flensburg schon länger gelten, gelänge. "Es klingt, als hätten wir bisher schlechte Arbeit gemacht", fasste er zusammen. "Wir müssen auch Gerechtigkeit untereinander herstellen und miteinander nach Wegen suchen statt gegeneinander", so Wilckens.

Dass es bequemer ist, aus der Warte relativ hoher Kirchensteuerzuweisungen zu entscheiden als kurzfristig handeln zu müssen, wenn die Kirchensteuern sinken, mahnte Pastor Thomas Nolte als Vorsitzender des Finanzausschusses an. Es gehe nicht darum, Identitäten von Kirchengemeinden zu zerstören, denn eine Fusion bedeute nicht automatisch, dass diese aufgeben werden muss, erklärte er. Nolte glaubt, dass es ohne Fusionen nicht gehen wird, allein schon, um sich den eigentlichen Aufgaben widmen zu können anstatt sich mit Sitzungsgeschehen zu verschleißen.

Dass manchmal nicht absehbar ist, wie schnell Kirchengemeinden ihre Angebote neu ausrichten müssen, zeigte Pastor Frank Schnoor am Beispiel seiner eigenen Kirchengemeinde Süderbrarup, in deren unmittelbarer Nachbarschaft Norderbrarup nach dem Weggang des Pastors die Stelle nicht wieder besetzt wird. Er sagte: "Plötzlich geht einer innerhalb weniger Wochen - und es geht trotzdem. Es ist zwar toll, wenn man alle kennt, aber das kirchliche Leben kann auch mit 3.400 Gemeindeglieder funktionieren, auch über moderne Kommunikationsmittel. Veränderungen sind nie angenehm, außer man gewinnt. Aber sie sind nicht der Untergang des Abendlandes." Gemeinsam mit den umliegenden Gemeinden der Region überlegt er, auf eine Fusion der Kirchengemeinden zuzugehen mit je einem eigenen Ortsbeirat und einem kleinen Zentral-Gremium, das sich gerne um die Verwaltung kümmert.

Eine Vision für die Zukunft formulierte der Synodale Ralf Schmidt, der auch Vorsitzender des Kreisjugendrings ist. Er sagte: " Die Veränderungsprozesse betrifft doch Alle: Parteien, Vereine, Gesellschaft und Wirtschaft Und Veränderung beginnt immer mit Unsicherheit. Ich wünsche mir als Vision, gemeinsam zu überlegen, welche Chancen diese Veränderungen bedeuten und wie wir wachsen können."

Quelle: Homepage des Kirchenkreises SL-FL http://kirchenkreis-schleswig-flensburg.de/oeffentlichkeitsarbeit/one.news/index.html?entry=page.news.kd.1121200029.e.695
Bild Römerbrief 1,16 . . Bild admin@kirche2025.de . . Bild notfalls: 0172-4166183

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