Beispiel: kranker Patient

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Beispiel: kranker Patient

Ungelesener Beitragvon Admin2025 » Fr 17. Apr 2015, 02:59

Ich möchte - etwas karikierend - die Situation der Kirche mit einem kranken Patienten vergleichen:

Oft wird vom Kirchensteuerrückgang durch Demografie, Kirchenaustritte etc. gesprochen.

Ist das wirklich so, dass der Patient Probleme hat mit der Nahrungsaufnahme.
Nein, im Grunde stehen dem Patienten mehr Nahrungsmittel zur Verfügung
als vielen anderen. Der Verdauungstrakt ist auch in Ordnung.
Die Kirchensteuer fließt und ist trotz aller Unkenrufe sogar enorm gestiegen.

Zwischen 2005 und 2012 ist die Kirchensteuer um ca. 30% gestiegen
(Karl Richard Ziegert "Dieses Spiel ist aus":
http://www.pfarrerverband.de/pfarrerblatt/index.php?a=show&id=3690)

Trotzdem schlagen die Ärzte vor, Beine und Hände, eins nach dem anderen zu amputieren,
also die Bereiche der Kirche zu reduzieren, mit denen die Menschen erreicht werden und wo sie Kirche spüren.
20% Pastorenreduzierung nach den neuen Vorschlägen zu den kirchengemeindlichen Handlungsräumen
entspricht der Amputation eines Beines. Nicht so schlimm.
Zumindest humpeln kann man ja noch damit.
Und als Krücke sollen die Prädikanten es richten.

Fragt man nach dem Ziel, heißt es, der Patient ist unterversorgt.

Ja, der Patient ist schon ein bisschen abgemagert und entkräftet.
Wenn man den Patienten genauer untersuchen würde,
könnte man auch die Ursache finden.

Um im Vergleich zu bleiben:
Der Patient ist krank.
Aber ob der Therapievorschlag sinnvoll ist,
nämlich ein Bein zu amputieren, ist mehr als zweifelhaft:

"Kein Wirtschaftsunternehmen handelt so und schafft in einer schweren Krise gerade jene Mitarbeitenden ab, für die es von seinen Kunden das meiste und sicherste Geld erhält: Denn Kirchensteuern werden vor allem für pastorale Gemeindearbeit entrichtet, die auch weiterhin bezahlbar bleibt ..."
Herbert Dieckmann in Die Kirche und »ihr« Geld http://www.pfarrerverband.de/pfarrerblatt/archiv.php?a=show&id=1655

Wenn es doch nur mehr Kalorien gäbe.
Ob Fundraising wirklich wie Astronautennahrung ist?

Fragen wir doch lieber einmal nach einer genauen Diagnose.
Bei den schon geschilderten Symptomen würde ich als Arzt
zumindest abklären, ob nicht eine ernste Erkrankung die Ursache sein könnte.
Krebs zum Beispiel. Sie wissen schon - diese wuchernden Tumorzellen.

Und wenn wir den Patienten dann untersuchen,
stellen wir fest:
Ja, es gibt mindestens 3 von Krebs befallene Organe:
Landeskirchlicher Anteil und Vorwegabzüge
Verwaltung
Kirchenkreisstellen

Diese Bereiche sind in den letzten Jahren
überproportional gewachsenen und haben teilweise krebsartige Strukturen angenommen.

Als Beispiel:
Die Verwaltung wuchert in immer mehr Bereiche der Kirche hinein.
Verschlingt immer größere Mengen der verfügbaren Energie.
Und wird weitere Mittel verschlingen, wenn die Doppik eingeführt wird.
Für die Gemeinden bringt das wenig, aber es ist ja ein Steuerungsinstrument.

Odert schauen wir auf den landeskirchlichen Anteil und die Vorwegabzüge.
Die Landessynode realisiert, wenn sie neue Projekte ins Leben rufen will,
diese nicht, wie es selbstverständlich sein sollte,
nur aus ihrem Haushaltsanteil,
sondern sie definiert neue Vorwegabzüge
wie beim Thema Klimaschutz.
Wieder wird auf Landesebens ein Vorwegabzug eingerichtet.
Ein Wucherungsprozeß ...

Da hilft es überhaut nichts, ein Bein zu amputieren.
Wenn man will, dass der Patient wieder zu Kräften kommt,
sind andere Operationen angesagt.

Das Gespräch mit dem Patienten ist für den Arzt leider nicht ganz einfach.
Der Patient macht einen leicht dementen Eindruck.
Könnte das am Alter liegen? Der Patient ist nicht mehr ganz jung.
Aber so eine typische Altersdemenz ist es, den Symtomen zu urteilen nach, nicht.
Bei einer Altersdemenz ist das Kurzzeitgedächtnis schlecht
und die Kindheitserinnerungen sind sehr lebendig.

Unser Patient dagegen vergißt mehr und mehr,
was die Anfänge bestimmt hat:
Das, was Jesus als Gottessohn für unser Heil getan hat,
die Bibel als alleinige Grundlage für Glauben und Leben
und das Wirken des Heiligen Geistes.
Mission - was ist das denn?

Der Patient hat nur noch einen Blick für die Gegenwart,
versucht sich an jede Modeströmung anzupassen.
Und als Psychiater würde man wohl sogar einen fast schon sado-masochistischen Zug entdecken,
mit dem der Patient sich fast die erlittenen Qualen und Strapazen
erfolgloser Therapien der letzten Jahre wieder herbeisehnt.

Und wenn man schaut, welche Medikamente dem Patienten
in den letzten Jahrzehnten eingeflößt wurden -
ich nenne nur das Impulspapier "Kirche der Zukunft" oder die Ansicht,
"Kirche nur noch von ihrer sozialen, empirischen, gesellschaftlichen Seite und Rolle her zu verstehen"
(Zürcher Systematiker Walter Mostert (1936-1995):
Jesus Christus - Anfänger und Vollender der Kirche. Eine evangelische Lehre von der Kirche. TVZ, Zürich 2006, ISBN 3-290-17375-5
zitiert nach Christoph Bergner: 25 Jahre Reform in der EKHN
http://www.pfarrerverband.de/pfarrerbla%20...%20ow&id=3233)
und sich dann die Beipackzettel anschaut, dann ist es kein Wunder,
dass es dem Patienten auch geistlich nicht gut geht.

Wir tragen mit die Verantwortung dafür, welche Behandlung wir dem Patienten empfehlen.
Eine Amputation des Beines - 20% der Gemeindepfarrstellen - spart 3% der kirchlichen Ausgaben ein.
Selbst mit der Amputation aller Gemeindepfarrstellen
käme man nicht über einen Kürzungsbetrag von 12% der Kirchensteuerausgaben hinaus.
Nach den Erfahrungen der Vergangenheit würden auch die durch Wucherungen an anderer Stelle ganz schnell geschluckt.
Aber der Patient wäre ein kompletter Krüppel.

Besser wäre es, genau hinzuschauen und zu entdecken, wo es zu Wucherungen gekommen ist,
dem Patienten Arme und Beine für seine Handlungsfähigkeiten zu lassen,
und die Chirurgen zu bemühen, die auch etwas von Onkologie verstehen.
Ziel kann es natürlich auch nicht sein, andere Organsysteme komplett zu entfernen,
sondern eine vernünftige Therapie zu finden, die dem Wohl des Patienten dient.

Der jetzige Behandlungsvorschlag einer Beinamputation
ist m. E. einer Fehldiagnose geschuldet.
Unstützen wir diesen Kunstfehler, nein, nicht Kunst, sondern nur Fehler, nicht.
Bild Römerbrief 1,16 . . Bild admin@kirche2025.de . . Bild notfalls: 0172-4166183

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Hinweis zu einer ergänzenden/erläuternden Grafik

Ungelesener Beitragvon Admin2025 » Mi 22. Apr 2015, 19:16

Der Beitrag wurde in leicht gekürzter Form auf einer Zusammenkunft von Kirchenvorstehern aus dem Kirchenkreis Schleswig-Flensburg
am 20.04.2015 in Havetoft vorgetragen.
Dabei habe ich eine Grafik gezeigt, welche den Anteil der den Ortsgemeinden verbleibenden Kirchensteueranteil aufzeigte.
Die Grafik und die Berechnungsgrundlagen finden Sie hier:
http://www.kirche2025.de/forum/viewtopic.php?f=27&t=32
Bild Römerbrief 1,16 . . Bild admin@kirche2025.de . . Bild notfalls: 0172-4166183


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